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Widerstand in der
US-Army
Widerstand in der
US-Army
Buchrezension
Widerstand in der
US-Army
"Vom Krieg in Vietnam bis zum Golf..."
Mitte der 1980er Jahre erschien dieses Buch im Harald.Kater.Verlag. Im Verlauf des Viet-namkrieges brachte jener nicht wenige GIs zum politischen Handeln. Jetzt im Januar 2003 erschien eine zweite Auflage. Den bestehenden vier Kapiteln wurde ein fünftes hinzugefügt. “Ein neuer Krieg?” Gemeint war der Irak-Krieg. Jedoch, wie immer in der Historie schwankt der aktive Widerstands-Vorgang.Hier folgen Auszüge aus dem Buch mit Bemerkungen:
Gegen 21. Uhr deselben Abends jedoch verletzten etwa einhundert GIs absichtlich die Ausgangssperre, marschierten über das Gelände und riefen >>Revolution<< und >>Reiht euch Ein<<. (165)
Das Zitat zeugt von einer Rebellion – schwarzer und weißer Mannschaftsdienstgrade am 21.September 11.9.70. Sie verlief in der US-Kaserne in der damaligen westdeutschen Stadt Nellingen. Anlaß war ein neuer Kommandeur - “Schleifer” im GI-Jargon genannt.
Der Vietnam-Krieg als Wendepunkt.
1968 das war nicht nur Paris, der Generalstreik in Frankreich – sondern auch die erste Revolte schwarzer GIs. Sie weigerten sich von Fort Hood nach Chicago geflogen zu werden. Sie sollten einen vorhersehbaren Aufruhr gegen den Parteitag der Demokraten notfalls mit Waffeneinsatz niederschlagen! Schon ein Jahr vorher, 1967, desertierten in Europa etwa 12.000 GIs um einen imperialistischen Krieg in Vietnam zu entgehen. Vor allem die schwarzen GIs erkannten dies am brutal-rassistischen Drill und Umgang sowie der überproportional vielen Todesopfern in Vietnam! Und so erfolgte, was folgen mußte:
>> ... schätzte der Armee-Geheimdienst, das wöchentlich (1970,d.A.), mindestens 60 Soldaten – meist Farbige- zum Vietcong überlaufen.<< (29) Vietnam wurde zum politischen Kulminationspunkt! >>In dem Maße, in dem der Vietnamkrieg trotz aller Proteste eskalierte, erhöhte sich allerdings auch die Militanz der GI-Bewegung, von der moralischen Ablehnung über die Befehlsverweigerung bis hin zu Revolten und zum tätlichen Angriff auf die militärischen Befehshaber, der Angaben des Pentagon zufolge allein 1970 mindestens 202 in Vietnam dienenden Offizieren das Leben kostete [fragging].<
(41). Dies war verbunden mit steigendem Drogen-Konsum.Nach einigen Zweifeln und Zögern entdeckte auch die Neue Linke in den USA die Lage der GIs! Vor fast jedem Militärstützpunkt wurden Cafes eingerichtet. Antikapitalistische Aufklärung, Filme, Diskussionen und Beatmusik als Gegenmileu etabliert. Interessanterweise war eine Gründung einer Soldatengewerkschaft vorgesehen.
>> American Serviceman`s Union << = Amerikanische Soldatengewerkschaft, am 25. Dezember in New York ins Leben gerufen. Offen nur für untere Ränge. Doch wen wundert`s, sie erhielten kaum Unterstützung von anderen Gewerkschaften und teils selbst nicht von Teilen der Friedensbewegung. Immerhin, 1970/ 71 hatten sie etwa 12.000 Mitglieder.
Ihr “Juwelstück” waren die zehn Forderungen:1. Das Recht auf Verweigerung illegaler und unmoralischer Befehle, wie dem Befehl in den illegalen, imperialistischen Krieg in Südostasien zu kämpfen.
2. Offiziere werden von ihren Mannschaften gewählt.
3. Das Salutieren und die Anrede aller Offiziere mit >>Sir<< wird abgeschafft.
4. Dem Rassismus in den Streitkräften ein Ende setzen.
5. Keine Truppen dürfen gegen Antikriegs-Demonstanten eingesetzt werden.
6. Keine Truppen dürfen gegen ArbeiterInnen eingesetzt werden.
7. Zum Gericht über Mannschaftsgrade sitzen Mannschaftsgrade.
8. Das Recht auf politische Versammlungsfreiheit.
9. Der bundesgesetzliche Mindestlohn für alle Mannschaftsdienstgrade.
10. Das Recht auf kollektive Verhandlungsführung. (78 – 82).
Rein nach Liebknecht wurde der Feind im eigenen Lande anvisiert. >>Es ist das Großkapital, Wall Street und das Pentagon.<< (69)
Mit der “U-Bahn” in Europa.
Nicht wenige Gis in Europa, bspw. In West-Deutschland stationiert entzogen sich dem Krieg in Vietnam durch die “Untergrund-Bahnen”. Im Rhein-Main–Gebiet z. B. hörten sie von den >>Provos<< in den Niederlanden. So bspw. bei der 7. US-Armee. GIs nutzten den Fernzug via Mainz, Frankfurt und Mannheim in Richtung Amsterdam. Die U-Bahn war ein Netz von US-AntikriegsaktivistInnen und selbiger in den Niederlanden, Frankreich ,Schweden usw.
Übrigens, manche Eltern von >>Provos<< hatten selbst schon “U-Bahn-Erfahrungen”. Während des Zweiten Weltkrieges halfen sie abgeschossenen Piloten der englischen und amerikanischen Armee mittels Fluchtwege über Frankreich, Portugal nach USA bzw. England! Ironischerweise tat sich die bürokratische KP Frankreichs lange Zeit schwer mit desertierenden GIs. Flugblätter und eigene GI-Zeitungen taten das ihrige jene Wege ausfindig zu machen. Die U-Bahn war auch in Ost-Asien tätig und in Australien. Die Bauarbeitergewerkschaft verschaffte den GIs >>Gewerkschaftsausweise<< und verhalfen ihnen somit zu Lohn und Brot.
PS: In Schweden hatte der Ministerpräsi Olav Palme den desertierten Gis Sozialhilfe zukommen lassen. Und im nördlichen Nachbarland der USA, Kanada befanden sich teilweise über 70.000 Deserteure, bis sie dann Bill Clinton amnestierte und dies zugleich wahlkrampfmäßig ausnutzte.
GIs in Westdeutschland.
Ein makabrer Vorfall in Fulda. Ende der 1960er Jahre hatten Offiziere, Feldwebel und Unteroffiziere innerhalb einer US-Kaserne einen Klu Klux Klan gebildet. Eine faschistisch-rassistische Organisation. Sie schikanierten schwarze, puertoricanische und mexikanisch-amerikanische GIs. Nachts wurden sie überfallen. Ein Puertoricaner wehrte sich bei einem Überfall. Er stach mit einem Messer einen weißen Rassisten nieder. Es stellte sich heraus, daß es ein Feldwebel war. Und für Antifa allzubekannt: Vor dem allgemeinen Kriegsgericht wird der Puertoricaner gestellt und nicht das Klu Klux Klan-Mitglied. Jedoch die Soldatengewerkschaft ASU stellt für ihn einen Anwalt und er wird freigesprochen. Frühjahr 1970 in Mannheim: Ein Aufstand meist schwarzer GIs, wegen Überfüllung der Knäste und des Rassismus. Am 4.Juli 1970 trafen sich 700 schwarze Soldaten in der Uni Heidelberg gegen Rassismus in der Militärjustiz und für Beendigung des Krieges in Südostasien.
Kein Krieg für BIG OIL!
Ab Mitte der 1980er Jahre verlagerten sich die Kriegsherde geopolitisch in den Nahen Osten. >>Der amerikanische Lebensstil verbraucht 25% der Weltressourcen und die USA verfügen selber über 5% der Weltbevölkerung.<<
Im Mittelwesten der USA entstand eine neue GI-Zeitung. Thematisiert wurden die Interessen der Öl-Multis, die Waffenindustrie (ABC-Waffen-Eskalation), die >>ökonomische Einberufung<<, viele Rekruten aus der ArbeiterInnenklasse usw. Dies bezeugt einen erneuten Anlauf, denn seit Ende des Vietnam-Krieges sind wie vorgesehen viele Initiativen einge-gangen. Im September 1990 wandten sich die Vietnam Veterans Against the War Anti Imperialist wiederum an die Gis. Gleiches geschah in Berlin.. Im Februar 1991 veranstalteten eine Rap-Gruppe >>Just Say No<< vor den noch bestehenden US-Kasernen ein Stell-Dich-Ein.
Zum Schluß des Buches stellt der Herausgeber des Buches ein Archiv für Soldatenrechte vor. Denn wie immer in der Geschichte der Standpunkt der HERRschenden wird noch immer von gut besoldeten Schreiberlingen (Schriftsteller und Historiker) bedient und zu wenig >>Geschichte von Unten<< niedergeschrieben. Schade ist , das das Buch nicht mehr die neuesten Entwicklungen berücksichtigen konnte. Empfehlenswert für jede/n Antimilitaristen /in, KriegsdienstgegnerIn, historisch Interessierten usw. auf jeden Fall. Sicherlich das Schönste auf Erden und später im Weltall wäre wenn es keine SoldatInnen gebräuchte!!!
Harald Kater Verlag
Januar 2003 2.Auflage 231 Seiten 14 Eurofür weitere aktuelle Informationen:
http://www.notinourname.net/gi-special/index.html